🌿 „Engelsüß – der stille Hüter des Waldes“

Wenn ich ihn zwischen Moos und alten Eichen entdecke, halte ich kurz inne.
Weil ich spüre, dass die Natur hier vertraut.
Der Engelsüß, auch Waldtüpfelfarn genannt, wächst nur dort, wo alles im Gleichgewicht ist und wo der Boden lebendig, die Luft still und das Licht weich wird.
Dass er an der WaldKräuterey wächst, ist für mich jedes Mal ein Zeichen. Er zeigt mir, dass die Erde gesund ist, dass Schatten und Sonne sich begegnen dürfen.
Er liebt das Verborgene und genau dort entfaltet er seine stille Kraft.
Früher glaubte man, seine Wedel seien vom Himmel gesandt.
Man hängte sie über Türen, um das Haus vor bösen Geistern zu schützen und Frieden einzuladen.
In der Volksheilkunde galt der Engelsüß als Pflanze der Reinigung und Stärkung.
Aus seiner Wurzel wurde ein süßer, aromatischer Sud gewonnen, deshalb nennt man ihn auch „Wald-Lakritz“.
Seine Inhaltsstoffe ähneln denen der Süßholzwurzel und wirken kräftigend auf Körper und Geist.
In alten Kräuterbüchern wird er als natürliches Anabolikum beschrieben, eine Pflanze, die neue Energie schenkt, Erschöpfung lindert und den inneren Speicher wieder auffüllt.
Hildegard von Bingen schrieb ihm sogar Sonnenkraft zu und behauptete, selbst der Teufel fliehe vor ihm:
„An der Stelle, wo er wächst, verübt der Teufel selten seine Täuschungen und meidet das Haus und den Ort, wo er ist, und schreckt davor zurück.
Und Blitz und Donnerschläge gehen dort selten nieder
und Hagel fällt selten auf den Acker, wo er wächst.“
Ein Schutzkraut. Ein Wächter. Ein Segen.
Kulinarisch ist er fast vergessen, doch seine Wurzel verleiht Kräuterweinen oder Sirupen eine süß-erdige, warme Tiefe.
Für mich steht der Engelsüß für das, was wir in uns wiederfinden dürfen:
Ruhe. Vertrauen. Kraft aus der Stille.






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