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  • Marion Putensen

Der Zauber der Rauhnächte


Die Zeit vom 24. Dezember bis 5./6. Januar gilt als stille Zeit, früher wurden sie auch Rauhtage oder Rauhnächte genannt. Viele der alten Gebräuche und Geschichten haben sich bis heute erhalten und sind in Geschichten lebendig. Um die sogenannten Rauhnächte ranken sich viele Mythen, Gruselgeschichten, Rituale, wahrsagerische und astrologische Erkenntnisse. An diesen Tagen, die laut Überlieferung als Rauhtage gelten, sollte man bestimmte Dinge tunlichst unterlassen, damit kein Unglück geschieht. Die Rauhnächte waren bei unseren Vorfahren Heilige Nächte. In ihnen wurde möglichst nicht gearbeitet, sondern nur gefeiert, wahrgenommen und in der Familie gelebt.Rund um den Jahreswechsel sind die Rauhnächte eine Zeit, in der Dämonen vertrieben werden müssen und sich die Zukunft besonders gut voraussagen lässt. Die Bräuche schließen auch das Weihnachtsfest ein.Das Rauhnächte Ritual ist heutzutage vielen Menschen unbekannt und tritt oft hinter den Feierlichkeiten um Weihnachten und den Jahreswechsel zurück, obwohl eine enge Verbindung besteht. Denn selbst die Silvesterböllerei hat ihren Ursprung im Rauhnächte Brauchtum. Es handelt sich um althergebrachte Bräuche, in denen christliche und heidnische Gepflogenheiten sich im Laufe der Zeit vermischt haben.Die Wortherkunft der Rauchnächte ist nicht eindeutig zu klären. Eine mögliche Interpretation ist, dass sich das Wort aus dem Brauch herleitet, die Ställe des Viehs mit Weihrauch zu beräuchern. Berichte über diesen Brauch datieren zurück bis ins 16. Jahrhundert. Eine weitere Interpretation bezieht sich auf das mittelhochdeutsche Wort "rūch", das so viel wie „haarig“ bedeutet. Ungeklärt ist dabei jedoch, ob damit auf Dämonen in Fellbekleidung oder aber um Bräuche rund um das Nutzvieh Bezug genommen wird. Viele heutige Bräuche leiten sich von den Rauhnächten ab, z.B. das Abfackeln von Silvesterfeuerwerk, das Bleigießen und die Perchtenumzüge in der Nacht vom 5.Januar in der Alpenregion. Dort ziehen sich die Leute erschreckende Masken an und gehen auf die Straße, um die bösen Geistern zu vertreiben. Den lärmenden Perchtenläufen setzte das Christentum im Mittelalter auch die Dreikönigsaufzüge entgegen, in neuerer Zeit kam das Dreikönigssingen hinzu. Auch soll es in diesen Nächten Verwandlungen in Mischwesen zwischen Tier und Mensch geben, beispielsweise in Werwölfe. Traditionell trägt man Masken, die exakt den visionär geschauten Geistern entsprechen. Im 19. Jahrhundert galten die Rauhnächte für unverheiratete Frauen als eine Gelegenheit, um Mitternacht an einem Kreuzweg oder einem anderen magischen Ort ihren künftigen Bräutigam zu sehen. Seine Gestalt erschien dann und ging schweigend vorüber, und das Mädchen durfte sie weder ansprechen noch ihr nachschauen, weil dies den Tod bedeutet hätte. Im Haus durfte keine Unordnung herrschen, keine weiße Wäsche auf der Leine hängen (welche die Reiter stehlen würden, um sie dann im Laufe des Jahres als Leichentuch für den Besitzer zu benützen). In einer anderen Version ist diese besonders (jüngeren) Frau verboten. Durch das Aufhängen von weißer (Unter-)Wäsche würden wilde Reiter angelockt und dann über diese Frauen „herfallen“. Frauen und Kinder sollten nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr alleine auf der Straße sein. In dieser Zeit wurden früher die Viehställe ausgeräuchert und die Tiere besonders gepflegt. Alten Überlieferungen zufolge solle man zwischen Heiligabend und Dreikönig sich nicht die Haare schneiden lassen und nicht den Bart rasieren - weil die Gefahr besonders groß sei, sich zu schneiden und die Wunde nicht mehr heilen würde.

Die Rauhnächte sind Losnächte. „Los“ kommt von „losen“, „vorhersagen“. Alles, was an diesen Tagen geschieht, hat eine besondere Bedeutung, selbst das, was scheinbar als unwichtig erscheint: ob es Probleme gab, besondere Überraschungen, welche Begegnungen sich ergaben, ob die Tage friedlich und harmonisch verlaufen, wie das Wetter an diesen Tagen ist usw. Und wer es versteht, der kann die kommenden, dazugehörigen Monate im Vorhinein deuten.

Da wir uns in der „Zeit zwischen der Zeit“ mit den höheren Welten besonders verbunden fühlen, sollen außerdem unsere Träume aus diesem Zeitraum prophetischen Charakter haben und in Erfüllung gehen. Die Träume in den zwölf Nächten verwirklichen sich in den jeweils entsprechenden Monaten des zukünftigen Jahres.

Die Alten benutzten jede dieser Rauhnächte für einen Monat des Jahres zum Deuten und Orakeln auch des Wetters. Dem Sonnenschein wurde zeichenhafte Bedeutung zugedacht. Sonnenschein bedeutet am: 1. Lostag (25. 12.): Es wird ein glückliches, neues Jahr werden. 2. Lostag (26. 12.): Preiserhöhungen stehen an. 3. Lostag (27.12.): Streitigkeiten kommen auf. 4. Lostag (28.12.): Fieberträume werden Familienmitglieder plagen. 5. Lostag (29.12.): Es wird eine gute Obsternte. 6. Lostag (30.12.): Auch alle anderen Früchte gedeihen prächtig. 7. Lostag (01.01.): Die Viehweiden tragen saftige Kräuter. 8. Lostag (02.01.): Fische und Vögel sind zahlreich. 9. Lostag (03.01.): Gute Kaufmannsgeschäfte stehen ins Haus. 10. Lostag (04.01.): Unwetter kommen hernieder. 11. Lostag (05.01.): Nebeltage treten vermehrt auf. 12. Lostag (06.01.): Zwist und Hader kommt auf.

Was man in der Zeit der Rauhnächte beachten sollte:

  • Die Tiere im Stall können in diesen Nächten richtig sprechen, aber nur Quatemberkinder (Hellsichtige) können sie verstehen.

  • Man soll keine großen weißen Wäschestücke im oder am Haus aufhängen, schnell kann es zum Leichentuch im nächsten Jahr werden.

  • Während der ersten halben Stunde des neuen Jahres, verschließt man die Haustür und läßt nur die Hintertür offen, damit das Glück durch diese hereinkommt.

  • Es ist ratsam einen Teller mit Gebäck, ein Glas Milch und ein paar Münzen auf das Fensterbrett zu stellen. So werden die vorbeiziehenden Geister wohl gestimmt.

  • Am 06. Januar sollte alle Weihnachtsdeko verschwunden sein,nur so kann man Altlasten aus dem vergangenen Jahr los werden.

  • Besonder Beachtung sollte man dem ersten Kunden schenken, der in das Geschäft kommt. Ist eine alte Frau, wird das Jahr finanziell knapp. Ist es eine junge Frau oder ein Kind, werden die bilanzen gut ausfallen.

  • Man soll keine Türen laut zuschlagen, sonst könnte sein, das im Jahr ein Blitz einschlägt.

  • Ist es in diesen Tagen sehr neblig, wird das nächste Jahr nass.

  • Hört man die Neujahrsglocken hell und klar, wird das nächste Jahr ein ganz besonderes Jahr.

  • Wenn ein junges Mädchen eine Zwiebel aufschneidet und diese mit Salz bestreut, wird sie in der Nacht von ihrem kommenden Geliebten träumen.

  • Frau Holle, die eine Vorliebe für fleißige Menschen hat, sieht es gerne, wenn das Haus in dieser Zeit nett ordentlich und sauber ist, aber sie möchte, dass wir in diesen Tagen nicht arbeiten, sondern uns ausruhen und neue Kraft schöpfen für das neue Jahr.

  • Schmiert und putzt man während des Heiligabendläuten Türschlösser und Riegel, darf man auf Reichtum hoffen.

  • Schneidet man am Dreikönigstag eine Wünschelrute, so hat diese besondere Qualitäten. Man kann sie nach einem der drei heiligen Könige benennen – Wird sie Caspar genannt, findet sie Gold, heißt sie Balthasar findet sie Silber und benennt man sie nach Melchior, so findet sie Wasser.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne und erkenntnisreiche Rauhnächte!